Geschäftsbericht 2024
Prognosebericht
rhenag gesamt
Das Jahr 2024 ist laut Deutschem Wetterdienstdienst das wärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1881. Es löst damit nahtlos das Jahr 2023 ab, das zuvor diesen Rekord gehalten hatte. Die mit hoher Dynamik steigenden Durchschnittstemperaturen des letzten Jahrzehnts beschreiben eine Entwicklung, auf die die Energiewirtschaft reagieren muss. Wir haben auch vor diesem Hintergrund im Strategieprozess des zurückliegenden Jahres unser unternehmerisches Handeln neu justiert. Wir stehen als rhenag uneingeschränkt hinter der politischen Zielsetzung den Klimawandel abzumildern. Wir sind zudem überzeugt, dass die hierfür nötige Energie- und Wärmewende ganz wesentlich dezentral, vor Ort in den Kommunen stattfinden wird. Der natürliche Umsetzungspartner der Kommunen sind ihre Stadtwerke. Insbesondere für kleinere und mittlere Stadtwerke ist dies eine Herausforderung, die sie aus sich selbst heraus nicht vollständig bewältigen können.
Der fokussierte Purpose der rhenag besteht darin, Stadtwerke als Schlüsselakteure einer lokalen, bürgernahen Energieversorgung zu stärken, ihren Erfolg zu sichern und damit die kommunale Selbstbestimmung auf dem Feld der Energieversorgung zu erhalten.
Dieser Purpose ist die zeitgemäße Weiterentwicklung des seit je her in unserer DNA verankerten Selbstverständnisses, Partner der Kommunen und der kommunalen Unternehmen zu sein.
Mit der Operationalisierung unserer Strategie #rhenag2030 werden wir unsere unternehmerische Kraft auf das übergeordnete Ziel ausrichten, Stadtwerke erfolgreich zu machen. Der Startschuss hierfür fällt 2025, die Leitplanken für unseren Kurs sind für die nächsten Jahre gesetzt.
Neues rhenag Operation Model (ROM) unternehmensweit verankern
Um die im Strategieprozess gesetzten Ziele und die damit verbundenen Werthebel zu realisieren, müssen auch wir uns weiterentwickeln. Wir haben daher auf der ersten Führungsebene das Arbeiten nach dem sogenannten OKR-Modell (OKR steht für „Objectives and Key Results“) eingeführt.
Mithilfe dieser OKR-Logik werden die Schwerpunkte des jeweiligen Quartals festgelegt und in messbare Ziele übersetzt. Eine alle Bereiche umfassende Regelterminkaskade im Quartalsverlauf schafft Transparenz über den Fortschritt der Zielerreichung über alle Bereiche hinweg.
Nachdem die quartalsweise OKR-Logik auf der obersten Führungsebene etabliert wurde, wird sie im Laufe des ersten Halbjahres 2025 schrittweise auf weitere Ebenen übertragen. Dies soll eine transparente und zielsichere Steuerung durch „KPIs und Dashboards“ über die gesamte Organisation hinweg ermöglichen.
Erste Erfahrungen mit dem OKR-Modell auf der ersten Managementebene im vierten Quartal 2024 stimmen uns optimistisch, dass uns die breite Verankerung dieser Arbeitsmethodik im gesamten Unternehmen 2025 gelingen wird.
Wir sehen im konsequenten Umstieg auf das OKR-Modell einen wichtigen Hebel, um unsere im Strategieprojekt identifizierten Werthebelpotentiale zu realisieren.
Beteiligungsgeschäft:
Drei Zukunftsfelder und intensivierte Netzwerkkooperation
Trotz der Heterogenität der Unternehmen der rhenag-Gruppe kristallisieren sich für unsere Beteiligungsgesellschaften 2025 drei große Handlungsfelder heraus:
Das erste Handlungsfeld ist die Stärkung des Stromgeschäfts, durch die Akquise neuer Kunden in allen Segmenten – vor allem aber durch den Ausbau der Stromnetze.
Der Aufbau von Wärmenetzen als Antwort auf das vorgezeichnete Ende der fossilen Energieträger markiert das zweite Handlungsfeld. Es geht darum, sich nach dem Ende der klassischen Erdgasversorgung, auf die derzeit in der rhenag-Gruppe noch ein signifikanter Ergebnisbeitrag entfällt, zukunftsfest aufzustellen.
Das dritte Handlungsfeld besteht vor dem Hintergrund des beschriebenen Klimawandels im intensivierten Ausbau der erneuerbaren Energien.
Für rhenag wird die Unterstützung der Beteiligungen in diesen strategisch relevanten Zukunftsbereichen – inklusive der Prüfung von Finanzierungsoptionen – 2025 zu den wichtigsten Themen zählen.
Mittelfristig wird es für uns darauf ankommen, gemeinsam mit den kommunalen Gesellschaftern den absehbar stärker werdenden Finanzierungsbedarf durch entsprechende Kapitalmaßnahmen klug auszutarieren. Für die Beteiligungserträge im Jahr 2025, die sich aus den Ergebnissen unserer Gesellschaften aus dem Geschäftsjahr 2024 speisen, sehen wir diesbezüglich keine Auswirkungen.
Um unsere Beteiligungen erfolgreich zu machen, werden wir künftig auf drei Ebenen intensiviert mit ihnen zusammenarbeiten:
- Über die strategische Netzwerkkooperation werden wir die in der Gruppe vorhandene Fachexpertise, die Ressourcen und Erfahrungen bündeln, den Wissensaustausch fördern und Lösungen für aktuelle energiewirtschaftliche Fragestellungen gemeinsam entwickeln;
- Das Beteiligungsmanagement unterstützt die Gesellschaften mit einer handlungsorientierten Steuerung bei der Sicherung ihrer Ergebnisse;
- Die Stadtwerkeberatung sorgt über Know-how-Transfer und klassische Managementberatung zum einen für Kompetenzausbau, zum anderen erfolgt hier die operative Linienunterstützung, die durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen sowohl insbesondere die Kosten der Unternehmen optimiert als auch die Einführung komplexerer Themen ermöglicht.
Wir sehen im gewachsenen rhenag-Netzwerk großes Potential, über diese intensivierte Zusammenarbeit unsere Beteiligungen in ihrer Rolle als Treiber der lokalen Energiewende und als attraktiver Energieanbieter vor Ort zu stärken und damit den Erfolg jeder einzelnen Gesellschaft und der rhenag-Gruppe insgesamt zu sichern.
Auch die Akquisition von Anteilen an neuen Stadtwerken wird als strategische Maßnahme für weiteres Wachstum der rhenag-Gruppe weiterverfolgt. Entsprechende Gespräche mit relevanten Stakeholdern und Unterstützern haben begonnen und werden 2025 konsequent vorangetrieben.
Dienstleistungsgeschäft:
Plattform aufbauen, lima® modernisieren
Sowohl für die rhenag-Gruppe als auch für das überregionale Dienstleistungsgeschäft gehen wir von einem weiter stark wachsendem Unterstützungsbedarf aus.
Haupttreiber ist die inhaltliche Komplexität der Themen, die in allen unternehmensrelevanten Bereichen weiter zunimmt. Als Stichworte seien hier die Beschaffung in volatileren Märkten, immer anspruchsvollere regulatorische Anforderungen wie der 24-Stunden-Lieferantenwechsel Strom, neue Abschreibungsmodelle für das Gasnetz aufgrund einer verkürzten Restnutzungsdauer (KANU 2) oder die Einführung flexibler Tarife genannt.
Vor allem kleinere Unternehmen geraten hier fachlich zunehmend an Grenzen und sind auf Kooperationspartner angewiesen.
Um diese Unternehmen optimal unterstützen zu können, werden wir 2025 den Aufbau einer Kooperationsplattform starten, die Leistungsbausteine zu den zentralen Anforderungen der Stadtwerke bündelt und einen Best-Practice-Transfer zwischen den Unternehmen sowie Verbänden und Experten ermöglicht. Eine herausgehobene Bedeutung kommt hier sicherlich unserer Software lima zu. Die rhenag-Software ist Kernbaustein der künftigen IT-Plattform, die als technisches Rückgrat der Stadtwerke fungieren soll. lima zählt zu den Schlüsselprodukten unseres Dienstleistungsportfolios.
Vor diesem Hintergrund werden wir 2025 ein Modernisierungsprojekt starten, das über die standardmäßige Weiterentwicklung unserer Software aufgrund gesetzlicher Anforderungen und operativer Kundenanforderungen hinausgeht.
Wir werden mit externer Unterstützung ein umfangreiches Projekt zur Potentialbewertung unserer Software durchführen und daraus unsere Strategie zur umfassenden Modernisierung von lima inklusive der hierfür erforderlichen Investitionen ableiten.
Auf Basis des 2024 eingeführten neuen rhenag Operating Models und nach dem Launch einer auf Stadtwerke zugeschnittenen Kooperationsplattform sowie mithilfe einer modernisierten lima-Strategie sind wir zuversichtlich, unsere Dienstleistungen künftig stärker skalieren und so im Dienstleistungsgeschäft schneller wachsen zu können.
Energiegeschäft:
Fokus auf die Region, Gasabhängigkeit durch Strom und EDL reduzieren
2025 gilt es, die in unserer Strategie verabschiedete klare Fokussierung auf unsere Region umzusetzen. Die bisherige Doppelfunktion unseres Energiegeschäfts als operativer Versorger und zugleich überregionaler Stadtwerke-Dienstleister wird zugunsten dieser Positionierung aufgegeben. Alle Ressourcen werden auf einen erstklassigen Kundenservice und moderne Energielösungen für unsere Region konzentriert.
Mit Blick auf die europäischen und deutschen Klimaziele werden wir im Energiegeschäft weiter daran arbeiten, die Abhängigkeit von unserem derzeitigen Hauptumsatzträger Erdgas zu reduzieren.
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Stärkung unseres Stromgeschäfts. Hierfür werden wir die vertrieblichen Maßnahmen zur Gewinnung weiterer Stromkunden 2025 über alle Vertriebskanäle hinweg intensivieren. Den überregionalen Vertrieb mit unserer Marke „Gaspar“ werden wir aufgrund der beschriebenen Fokussierung auf unser Stammgebiet nicht weiter intensivieren.
Ein Unsicherheitsfaktor bleiben die Entwicklungen an den Beschaffungsmärkten. Das Preisniveau ist im Vergleich zu den Hochzeiten der Energiekrise 2022/2023 deutlich gesunken, liegt jedoch noch immer über Vorkrisenniveau. Aufgrund der Abhängigkeit von geopolitischen Entwicklungen und vom Temperaturverlauf (Gas) bleiben die Preis- und Mengenrisiken hoch. Diese Risiken fließen in unsere stetige, aktive Portfoliobewirtschaftung ein.
Wir gehen im Energievertrieb von einem anhaltend intensiven Wettbewerb aus. Die Energiekrise ist in der Kundschaft verdaut, die Wechselbereitschaft wieder hoch, so dass wir 2025 eher von moderaten Kundenzuwächsen ausgehen.
Weiterer Teil des Zukunftskonzepts unserer Energiesparte ist der Ausbau der Energiedienstleistungen (EDL) für Privat- und Gewerbekunden. Nachdem im Privatkundensegment die Nachfrage 2024 sowohl im Bereich Photovoltaik als auch bei modernen Wärmelösungen eingebrochen ist, erhoffen wir uns nach der Bundestagswahl im Februar 2025 klare politische Rahmenvorgaben. Dann besteht die Chance, dass die derzeit große Verunsicherung der Bürger als entscheidendes Investitionshemmnis ein Ende findet und die Nachfrage im Energiedienstleistungssegment wieder steigt.
Für größere EDL-Projekte sowie für den Ausbau der erneuerbaren Energien setzen wir auf die Zusammenarbeit mit unseren kommunalen Partnern. Zwei Leuchtturmprojekte werden wir 2025 am Hauptsitz unseres Energiegeschäfts in Siegburg umsetzen: Zusammen mit den örtlichen Stadtbetrieben und der RheinEnergie werden wir zum einen ein großes, neu entstehendes Quartier (13.000 Quadratmeter Wohn- und 19.000 Quadratmeter Gewerbefläche) mit modernster Energietechnik ausrüsten. Zum anderen werden wir einen innovativen Ladepark für Elektrofahrzeuge mit PV-Überdachung und 17 Ladepunkten mit bis zu 400 kW Ladeleistung in Bahnhofsnähe realisieren. Auch bei diesem Infrastrukturprojekt kooperieren wir mit den Stadtbetrieben Siegburg.
Quantitative Prognose / Unsere Prognosezahlen
Beim Gasabsatz, der insbesondere in der Heizperiode maßgeblich vom Witterungsverlauf beeinflusst wird, geht rhenag von einem stabilen Absatz von rd. 1,2 Mrd. kWh aus und bestätigt damit den budgetierten Absatz. Bei der Stromversorgung gehen wir von einem gegenüber dem Budget von rd. 156,8 Mrd. € gesunkenen Absatz von rd. 146,2 Mio. kWh aus.
Beim Beteiligungsergebnis, das sich aus den anteiligen Ausschüttungen des Geschäftsjahres 2024 generiert, gehen wir von einem leichten Anstieg auf 46,9 Mio. € (Budget 46,7 Mio. €) aus.
Vor diesem Hintergrund plant rhenag mit einem Ergebnis vor Steuern von rund 67,7 Mio. € und einem ausschüttbaren Gewinn von rund 56,6 Mio. €.
Für diese Prognose wie für sämtliche in die Zukunft gerichteten Aussagen dieses Lageberichts möchten wir an dieser Stelle klarstellen, dass es sich ausschließlich um Erwartungen auf Basis des heutigen Wissensstands handelt. Stand heute sind diese Annahmen und Planungen realistisch. Wir sind jedoch weiterhin mit erhöhten Volatilitäten an den Großhandelsmärkten und unsicheren politischen Rahmenbedingungen in unserem Geschäft konfrontiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Prognosen über- oder unterschritten werden, steigt damit deutlich.
Köln, den 4. Februar 2025
rhenag Rheinische Energie Aktiengesellschaft
Der Vorstand

Till Cremer

Jan-Bern Brüning